News | 18.08.2019

Rund 15.7 Millionen Eigenheime wurden 2017 in Deutschland gezählt – ein historischer Höchststand.
Gleichzeitig wird Bauen immer teurer, gibt es immer mehr Vorschriften und immer weniger adäquaten Baugrund. In meiner Interviewreihe für diesen Hausverkäufer-Blog habe ich daher mit Holger Linke, Geschäftsführer der Fingerhut Haus GmbH darüber gesprochen, ob der Boom im  Hausbau gebrochen ist.

Ralph Guttenberger: Herr Linke, ist angesichts der genannten Probleme der Peak, ist die Spitze des Baubooms im Bereich Einfamilienhäuser Ihrer Ansicht nach bereits überschritten?

Holger Linke: Es ist richtig, dass Bauen zum einen auf Grund der Überregulierung und immer umfangreicher werdenden Normwerte teurer wird. Doch trotz allem ist gerade das Einfamilienhaus sinnvoll als selbst genutzte Immobilie, bei der der Nutzer bzw. die Nutzerfamilie letzten Endes keine Miete zahlt. Zur Finanzierung sind  letztlich die Zinsen die Kosten, die den Eigenheimnutzer belasten. Die komplette Tilgung geht in das Eigentum des Eigenheimnutzers über. Somit ist Bauen meistens – von wenigen hartumkämpften Märkten rsp. Städten abgesehen, in denen sich der Kauf neuen Wohneigentums im Vergleich mit dem Mieten kaum noch lohnt – immer noch günstiger als Miete zu zahlen. Man schafft sich Eigentum – beispielsweise auch als Altersvorsorge –, was auch aus emotionaler Sicht ein Wert an sich sein kann.

Aufgrund des Wohnungsmangels werden die Forderungen nach mehr Baugrund immer lauter. Auch hier gehen wir davon aus, dass mittelfristig wieder Baugrund geschaffen wird. Außerdem ist vielerorts der Baubestand in die Jahre gekommen: Dort gibt es mittlerweile viele alte Gebäude, bei denen ein Abriss und ein Neuaufbau günstiger und besser ist als aufwändige Sanierungen, bei denen niemals ein energetisch so komplexes Ergebnis erzielt werden kann wie bei einem Neubau in unserer Fertighaus-Bauweise.

Ralph Guttenberger: Welche Trends im Baugewerbe rsp. speziell im Hausbau machen Sie aus?

Holger Linke: Die Trends ändern sich stetig. Ich mache aber vier Trends gerade mit Sicherheit aus: Zum ersten liegen klare Formen, Bauhausstil oder Kubus-Anbauten im Trend – aber auch dieser Geschmack wird sich über die Jahre natürlich wieder verändern. Außerdem bemerken wir ganz klar den Trend hin zu energiesparender Bauweise – hierzu ist unser Fertighaus bestens gerüstet. Nachhaltigkeit ist Trend Nummer drei: Ökologische Baustoffe, der Baustoff Holz und Holzweichfaserdämmung als Wärmedämmverbundsystem liegen ebenfalls voll im Trend, gerade in Bezug auf die Nachhaltigkeit der Baustoffe. Das Umweltbewusstsein unserer Kunden ist enorm hoch. Und zuletzt wird aufgrund der Baulandknappheit verstärkt in Hinterhöfen gebaut oder es werden Altbauten abgerissen und das Grundstück wird komplett neu bebaut: Verdichtung ist die Devise.

Ralph Guttenberger: …und mit welchen weiteren Trends rechnen Sie für die Zukunft? Worauf stellen Sie sich ein?

Holger Linke: Da knüpfe ich direkt an meiner vorigen Antwort an: Für die Zukunft rechnen wir verstärkt mit der Ausweitung der Bebauung von Baulücken und Hinterhofbebauungen sowie größere Aufstockungen in Stadtbereichen. Die Fertigung von Mehrfamilienhäusern im Bereich sechs bis acht Wohneinheiten bei dreigeschossiger Bauweise wird unserer Meinung nach ebenfalls an Bedeutung gewinnen.

Ralph Guttenberger: Was ist ihr Rat: worauf sollen Bauwillige bei der Auswahl des Bauunternehmens achten? WO und WIE finden sie das „passende“ Bauunternehmen?
Welche Kriterien können sie ansetzen?

Holger Linke: Bauwillige sollten bei Bauunternehmen unbedingt darauf achten, dass diese schon länger im Markt bestehen und tatsächlich schlüsselfertige Einheiten anbieten. Enorm wichtig für den Kunden ist es auch, dass die Planung und die Ausführung aus einer Hand kommen. Somit ist hier eine sehr sensible Schnittstelle mit einem Vertragspartner abgedeckt. Gleiches gilt natürlich für die auszuführenden Gewerke. Keller und Bodenplatten sollten unbedingt vom Haushersteller mitgeliefert werden. Das passende Bauunternehmen findet man über ‚Referenzen‘ oder in unseren Fertighausausstellungen. Ein großes Kriterium kann zum Beispiel sein, wie lange das Unternehmen am Markt besteht und wie die von den Banken wirtschaftliche bewertete Lage des Unternehmens ist. Immerhin gewährleisten wir fünf Jahre nach BGB für die gesamte Baukonstruktion, sowie 30 Jahre für die Grundkonstruktion. Familienunternehmen schneiden bei diesen Bewertungen in der Regel gut ab, aber auch  diese sollten von potenziellen Kunden stets unbedingt über Kreditreform oder ähnliche Institute vor Vertragsschluss geprüft werden.

Ralph Guttenberger: …und umgekehrt: Wer ist der „richtige Kunde“ für Sie und die Angebote von Fingerhut Haus?

Holger Linke: Wir haben – übrigens ja sehr wesentlich auch in den Strategieworkshops mit Kaltenbach Training – klare Zielgruppendefinitionen erarbeitet, denn die Werte unserer Kunden und unseres Unternehmens müssen zusammenpassen. So sind unsre Kunden beispielsweise gesundheits-, ökologie- und wertebewusst: Unser Kundenkreis legt großen Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit der Baustoffe sowie auch auf sehr flexibles Bauen in Bezug auf die Grundrissgestaltung. Wir bauen völlig frei von Rastermaßen und passen die Gebäude bspw. Baulücken an, oder versuchen die bestmöglichen Ergebnisse in Bezug auf den Bebauungsplan – zum Beispiel, was Trauf- und Firsthöhen betrifft – auszureizen. Viele unserer Kunden übergeben uns den Auftrag – und damit die Verantwortung – für das schlüsselfertige Objekt inklusive der Betonarbeiten für Keller bzw. Bodenplatten, da sie in Ihrem Alltag wenig Zeit aufwenden können, um sich mit dem Bau eines Hauses auseinander zu setzen und die einzelnen Gewerke zu koordinieren sowie die Schnittstellen zu regeln.

Musterhaus Neunkhausen, Fingerhut Haus GmbH

Musterhaus Neunkhausen, Fingerhut Haus GmbH

Ralph Guttenberger: Capital (Heft 6/2018) hat Fingerhut Haus mit einer Höchstnote in der Kategorie „Bester Fertighaushersteller“ ausgezeichnet, von Focus Money erhielten Sie das „Prädikat Gold“ als „Kundenliebling 2019“. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen für Sie und die Kunden, also Ihr Marketing zum Kunden hin?

Holger Linke: Die Siegel aus der Zeitschrift ‚Capital‘ sowie auch das Prädikat von ‚Focus Money‘ bedeuten uns sehr viel. Hiermit dokumentieren wir auch in unserer Betriebsgröße, dass wir ein hochwertiges Produkt zu fairen Konditionen liefern. Wichtig für die Kunden ist natürlich auch die Vertragsgestaltung, welche gerade von der Zeitschrift Capital von unabhängigen Juristen geprüft wurde. Hier ist es uns wichtig, eine solide und faire Basis für eine Zusammenarbeit zu formulieren. Für unsere Marketingarbeit sowie auch für unsere Kunden sind diese Auszeichnungen als externe Dokumentation enorm wichtig.

Ralph Guttenberger: Fingerhut Haus hat sich mit dem Umweltbonus i.H.v. 3.000 EUR eine weitere spannende Marketingaktivität ausgedacht. Wie sind Sie darauf gekommen?

Holger Linke: Mit unserem ‚Umweltbonus‘ möchten wir die Investition in nachhaltige Dämmstoffe weiter fördern. Wir haben uns in unserer Standardkonstruktion der Außenwände komplett von dem Baustoff Styropor verabschiedet. Denn wir sind der Meinung, dass ein erdölbasierendes Produkt an Fassaden weder nachhaltig ist, noch in der Zukunft die Entsorgungsfrage geklärt ist und zudem sind die ökologischen Hintergründe des Dämmstoffes fraglich. Nachhaltige Dämmstoffe möchten wir weiter nach vorne bringen und haben uns deshalb diesen ‚Umweltbonus‘ für unsere Kunden ausgedacht. Außerdem ist es uns als Unternehmen mit unseren Werten sehr wichtig, dass wir mit nachhaltigen und ökologischen Baustoffen bauen, um einen möglichst ökologischen Fingerabdruck für unsere Nachwelt zu hinterlassen.

Ralph Guttenberger: Ah, spannende Idee! Wie nehmen die Kundeninteressenten das an – rsp. haben Sie einen Überblick, ob dieser Bonus abschlussentscheidend für Kundeninteressenten von Ihnen ist?

Holger Linke: Danke dafür, Herr Guttenberger!  Also, ob der Bonus dann letztlich abschlussentscheidend ist, können wir nicht hundertprozentig sagen. Letzen Endes zählt für unsere Interessenten immer das gesamte Konzept.

Digitalisierung im Bausektor, Foto: pixabay, CCO, © by geralt

Digitalisierung im Bausektor, Foto: pixabay, CCO, © by geralt

Ralph Guttenberger: In Sachen Prozessoptimierung, Komponentenstandardisierung und vor allem Digitalisierung scheint das Baugewerbe (Eigenheimbau/Geschossbau) anderen Kernbranchen wie z.B. Autoindustrie, Maschinenbau etc. in Deutschland hinterherzuhinken. Wie gehen Sie mit den Herausforderungen der Digitalisierung konkret um? Wie setzen Sie Digitalisierung um?

Holger Linke: Wir haben schon vor vielen Jahren angefangen, unsere Prozesse auch digital abzubilden. Hier arbeiten wir mit Hochdruck an Systemen und der Weiterentwicklung unserer EDV. Die Digitalisierung schreitet sehr schnell voran und wir investieren einiges hierin.

So wird zum Beispiel jedem Kunden bei der Hausübergabe eine digitale Bauakte übergeben. Alle Dateien und Unterlagen, die der Kunde für sein Gebäude später ggf. noch einmal benötigen könnte, sind hier noch einmal zusammengefasst. So zum Beispiel Statik, Wärmeschutz, Ausführungspläne, Bauanträge, Baugenehmigungen usw. Auch in den internen Prozessen wird die Digitalisierung immer bedeutender. Wichtig ist, dass alle von der Digitalisierung profitieren und dies nicht ein weiterer Verwaltungsakt wird. Daher gehen wir sehr sensibel mit diesen Punkten um und versuchen, mittelfristige Entlastungen der Arbeitnehmer über die Digitalisierung herbeizuführen.

Ralph Guttenberger: Danke für das Interview!

Feedback zum Artikel “Nachhaltigkeit ist einer der Haupttrends im Hausbau

  1. Georg Zimmer sagt:

    Hallo Herr Guttenberger,

    das war ein sehr interessantes Interview.

    Schönes Grüße aus Teltow
    Georg Zimmer

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